Antoniusfeuer

Antoniusfeuer

„Ich muss mit euch über Vater reden“, sagte Ruth. Sie sassen zu dritt in ihrer Alphütte auf Falein an einem roh gezimmerten Tisch, auf dem ein Krug mit kühlem Quellwasser und drei Gläser standen. Sie hatte ihre beiden Kinder Robert und Eva hierher gebeten, um ein wichtiges Gespräch zu führen.

„Das hätten wir bestimmt auch zu Hause besprechen können“, maulte Robert. Er war 23 Jahre alt und Geselle beim Hufschmied. Jede Stunde, die er nicht in der Schmiede verbrachte, war für ihn eine verlorene Stunde. „Dafür hätten wir ja nicht unbedingt hier hinauf kommen müssen.“

„Aber hier ist es sicherer. Bis er merkt, dass wir uns hier getroffen haben, ist alles Wichtige gesagt.“

Eva runzelte die Stirn. Sie war fünf Jahre jünger als ihr Bruder, aber trotzdem war sie immer schon die Besonnene. „Was ist denn los? Warum sprichst du in Rätseln?“

Ruth trank einen Schluck Wasser und begann zu erzählen. „Vielleicht ist euch aufgefallen, dass sich Vater in letzter Zeit etwas seltsam benimmt. Er schreit plötzlich ohne ersichtlichen Grund und sieht manchmal Dinge, die gar nicht da sind.“ Sie schluckte schwer. Sie liebte ihren Friedrich sehr und deshalb fiel es ihr besonders schwer, über seine Krankheit zu reden. Die Krankheit, die sie beide immer weiter voneinander entfernte.

„Letzte Woche habe ich mit Doktor Klaus darüber gesprochen“, fuhr sie fort. „Ihr wisst ja, dass Friedrich nie zum Arzt gehen würde. Aber ich war dort und habe erzählt, wie er sich verändert hat.“

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